Sommerzeit = Pausenzeit
Die Tage werden wärmer und da drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Wann ist es zu heiß für Handarbeit?
Eins vorweg: eine pauschale Antwort für alle Pferde ist hier nicht möglich. Während der Iberer sich trotz aller Schattenplätze bei 35 °C am liebsten in die pralle Sonne stellt, so wünscht sich der Friese schnell den Winter herbei. Ähnlich wie bei uns Menschen ist das individuelle Temperaturempfinden sehr unterschiedlich. Da hilft nur Beobachten.
Weitere Faktoren, die es zu Berücksichtigen gilt, sind die individuelle Fitness des Pferdes und der allgemeine Gesundheitszustand. Vor allem für atemwegserkrankte Pferde, plüschige Cushing- oder auch Herzpatienten gilt es vorsichtig abzuwägen, wann es einfach zu viel ist.
Und da rutschen wir in ein Dilemma: Denn auch der Asthmatiker oder der Kreislaufpatient benötigt Bewegung. Gerade an Hitzetagen ist es wichtig, nicht nur in der Box zu stehen oder im Schatten festzuwurzeln. Wir kennen es von uns: schnell fährt der Kreislauf runter. Nur während wir Menschen dann ins dunkle Wohnzimmer wechseln und die Beine hochlegen, neigen unsere Pferde leider zu Koliken, die schnell genauso lebensbedrohlich werden können wie ein Hitzschlag.
Was also tun? Viele denken jetzt an die kühlen Morgenstunden. Das lässt sich aber leider nicht mit jedem Alltag vereinbaren. Manchen von uns ist es (trotz aller Pferdeliebe) aufgrund Job, Kinder etc. einfach nicht möglich, den Tag derartig umzukrempeln, dass das klappt. Da bleibt nur der Nachmittag oder Abend und die Schlussfolgerung, dass ein Spaziergang jetzt genau das richtige wäre.
Und genau hier plädiere ich für nur 10 min gezielte Bewegung im Schritt, z.B. durch Arbeit an der Hand. Dabei werden die Muskelgruppen angesprochen, der Kopf wird gefordert und der Kreislauf sowie die Verdauung kommen in Schwung. Das Ausweichen in eine schattige Halle, auf einen Waldweg oder auch in die überdachte Stallgasse bieten hier klare Vorteile da keine direkte Sonnenstrahlung auf Pferd & Mensch einwirkt. Aber auch ohne Schattenplatz wird das Ganze deutlich weniger schweißtreibend als ein 1-stündiger Spaziergang über die Felder oder auf dem Asphalt.
Mein Tipp für trockene Hitzetage: Das Pferd vor der Arbeit komplett abduschen, das Wasser nicht abziehen und anschließend 10 Minuten arbeiten. Wärmeleitung und Verdunstungskälte sorgen so für eine besonders effektive Kühlung. Geeignete Übungen sind beispielsweise Schenkelweichen, Schulterherein oder Start-Stopp.
