Sommerzeit = Pausenzeit?
04.07.2026
Die Tage werden wärmer und da drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Wann ist es zu heiß für Handarbeit?
Eins vorweg: eine pauschale Antwort für alle Pferde ist hier nicht möglich. Während der Iberer sich trotz aller Schattenplätze bei 35 °C am liebsten in die pralle Sonne stellt, so wünscht sich der Friese schnell den Winter herbei. Ähnlich wie bei uns Menschen ist das individuelle Temperaturempfinden sehr unterschiedlich. Da hilft nur Beobachten.
Weitere Faktoren, die es zu Berücksichtigen gilt, sind die individuelle Fitness des Pferdes und der allgemeine Gesundheitszustand. Vor allem für atemwegserkrankte Pferde, plüschige Cushing- oder auch Herzpatienten gilt es vorsichtig abzuwägen, wann es einfach zu viel ist.
Und da rutschen wir in ein Dilemma: Denn auch der Asthmatiker oder der Kreislaufpatient benötigt Bewegung. Gerade an Hitzetagen ist es wichtig, nicht nur in der Box zu stehen oder im Schatten festzuwurzeln. Wir kennen es von uns: schnell fährt der Kreislauf runter. Nur während wir Menschen dann ins dunkle Wohnzimmer wechseln und die Beine hochlegen, neigen unsere Pferde leider zu Koliken, die schnell genauso lebensbedrohlich werden können wie ein Hitzschlag.
Was also tun? Viele denken jetzt an die kühlen Morgenstunden. Das lässt sich aber leider nicht mit jedem Alltag vereinbaren. Manchen von uns ist es (trotz aller Pferdeliebe) aufgrund Job, Kinder etc. einfach nicht möglich, den Tag derartig umzukrempeln, dass das klappt. Da bleibt nur der Nachmittag oder Abend und die Schlussfolgerung, dass ein Spaziergang jetzt genau das richtige wäre.
Und genau hier plädiere ich für nur 10 min gezielte Bewegung im Schritt, z.B. durch Arbeit an der Hand. Dabei werden die Muskelgruppen angesprochen, der Kopf wird gefordert und der Kreislauf sowie die Verdauung kommen in Schwung. Das Ausweichen in eine schattige Halle, auf einen Waldweg oder auch in die überdachte Stallgasse bieten hier klare Vorteile da keine direkte Sonnenstrahlung auf Pferd & Mensch einwirkt. Aber auch ohne Schattenplatz wird das Ganze deutlich weniger schweißtreibend als ein 1-stündiger Spaziergang über die Felder oder auf dem Asphalt.
Mein Tipp für trockene Hitzetage: Das Pferd vor der Arbeit komplett abduschen, das Wasser nicht abziehen und anschließend 10 Minuten arbeiten. Wärmeleitung und Verdunstungskälte sorgen so für eine besonders effektive Kühlung. Geeignete Übungen sind beispielsweise Schenkelweichen, Schulterherein oder Start-Stopp.


Hilfe, mein Pferd schnappt bei der
Arbeit an der Hand
18.06.2026
Wenn ein Pferd bei der Handarbeit ständig nach dem Menschen schnappt, dann können verschiedene Themen zu Grunde liegen:
- Spieltrieb
- Überforderung
- Langeweile
- Feedback an den Menschen
- Gier
Gerade männliche Pferde neigen zu diesem Verhalten und es lässt sich hier häufig auf den natürlichen Spieltrieb zurückführen. Viele Menschen wehren sich hier mit einem Schlag auf die Nase. Sie schimpfen und zuppeln am Zügel. Aus Sicht des Pferdes die beste Antwort: Ja super, mein Mensch steigt auf mein Spiel ein und macht mit. Deshalb gilt hier: Auf keinen Fall drauf eingehen. Nicht schlagen, nicht schimpfen.
Wenn wir dem Pferd aber mit unseren Händen zu sehr im Maul hängen oder Dinge fordern, die es vielleicht körperlich noch gar nicht leisten kann, dann gibt uns das Pferd mit dem Schnappen direktes Feedback und kommuniziert hier seinen Unmut über die Situation. Da gilt es sein eigenes Handeln zu überdenken: wie ist meine Zügelspannung? Schaut ständig ein Teil des Gebisses seitlich aus dem Maul raus? Fordere ich hier gerade einen neuen Seitengang im Trab obwohl das Ganze sogar im Schritt schon klemmt? Dann heißt es für uns: zwei Schritte zurück!
Manchmal steckt aber auch einfach die anerzogene Gier nach Keksen dahinter. Das Pferd hat gelernt, dass man sich Kekse nicht nur verdienen muss sondern das man sie auch fürs Nerven oder Lieb schauen bekommt. Da hilft nur rigoroses Keksverbot. Mit der Stimme können wir viel euphorischer und direkter Loben als es ein Keks je könnte.
How to start - Teil 1
07.06.2026
Immer wieder werde ich gefragt, wie man denn eigentlich am besten mit der Arbeit an der Hand anfängt. Sobald das Pferd sich am Strick führen lässt, kann ich bereits anfangen erste Übungen einfließen zu lassen. Dafür brauche ich weder eine Trense noch eine Gerte, wohl aber empfiehlt sich immer zuerst ein eingezäuntes Areal aus Sicherheitsgründen.
Beim Start & Stop geht es darum wer wen bewegt. Dabei beginnt man das Pferd neben sich auf ein Stimmkommando hin einen Schritt antreten zu lassen. Auf ein weiteres, neues Stimmkommando hin kommt es zum Stehen. Soweit erstmal ganz einfach. Ergänzend lassen wir für Start und Stop unsere Körpersprache einfließen. Groß, energetisch und voran für das Laufen. In sich gekehrt, ruhig und bedacht für das Anhalten. Gerne kombiniert man hier das Anhalten auch schon mit der Drehung zum Pferd hin als klares Zeichen zum Anhalten. Nun kann man damit Spielen: mal mehr Energie für große Schritte, mal ganz wenig Energie für nur einen kleinen Schritt.
Die Herausforderung dabei ist genau so viele Schritte zu gehen, wie man sich als Ziel gesetzt hat. 1, 4, 2, 5, 1, 2 usw. usw.
Manch einer wundert sich dann, wie komplex so eine harmlose Übung sein kann.
Sobald das Start & Stop sicher auf der Geraden eines Platzes oder der Halle funktioniert und auch in gruseligen Situationen abrufbar ist, dann kann man daran anknüpfen oder die Übung auch mal nach draußen verlagern.

