
Wenn die kalte Jahreszeit beginnt
Es wird wieder nass und die Nächte kühler. Die schlimmste Zeit für Pferde mit Spat / Arthrose. Ergänzungen aus dem Futterregal gibt es viele und jeder Hersteller verspricht das ultimative Wundermittel.
Was hilft hier aber wirklich? Schauen wir uns das Ganze mal kritisch an:
- Hyaluronsäure, MSM, Chrondroitinsulfat, Omega 3 und Glucosamin: Ja, ich werfe diese Stoffe bewusst in einen Topf! Denn (es tut mir Leid) - gefüttert bringt das alles nichts bei Arthrose im rechten Bein. In Laborversuchen wird diesen frei verfügbaren Stoffen eine antientzündliche oder eine antirheumatische Wirkung zugeschrieben. Doch ein Lebenwesen ist nur bedingt mit einer Zellkultur in der Petrischale vergleichbar. Denn: Alles muss den Magen und den Darm passieren, mit teilweise schwierigen Bedingungen für chemische Substanzen. Da laufen munter Oxidations- und Reduktionsprozesse ab. Säuren zersetzen Moleküle und Enzyme tragen ebenfalls zur Verstoffwechslung bei. Das, was wir ins Futter geben, kommt mit nichten im rechten Sprunggelenk als Wirkstoff an. Deshalb wird z.B. Hyaluronsäure auch gerne vom Tierarzt direkt an den Ort des Geschehens gespritzt und nicht verfüttert. Beobachtungen wie "das hat bei uns aber super geholfen" sind meistens leider auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückzuführen. Niemand im Privatbereich macht sich die Mühe Maßnahmen und Mittel isoliert über einen Zeitraum, ähnlich einer Studie, zu testen. Daher sind diese Äußerungen meines Erachtens nach stets mit Vorsicht zu genießen (gilt natürlich auch für alles andere als Arthrose).
Und in Anlehnung an den großartigen Account von Hanne Störmer @equinerd (Instagram): alles, was von Herstellern (u.a. im Futterbereich) als Heilversprechen bei Erkrankungen angegeben wird, ist nicht rechtens. Nur Wirkstoffe mit nachweislichen Effekten im Lebewesen dürfen sich das auf die Fahne schreiben und zählen dann als Medizin und nicht als Futtermittel.
- Wärme & Nässe: Keramikgamaschen fürs Sprunggelenk, Neoprenüberzieher, Wärmelampe oder einfach eine Decke - wie die Wärme an das Pferdebein kommt, ist ziemlich egal. Durch die Wärme wird die Durchblutung angeregt, Muskeln entspannen sich und die Gelenkschmiere wird dünnflüssiger. Und kalt-nasse Tage sind deutlich unangenehmer als nur kalte Tage. Man kennt es schließlich auch von sich selber, oder?
- Bewegung: Bewegung wirkt hier ähnlich wie Wärme. Sie hält die Muskulatur geschmeidig, regt die Durchblutung an und schleust entzündliche Substanzen mit dem Stoffwechsel aus dem Gewebe. Die Gelenke werden dabei sozusagen geölt. Zusätzlich wird (bei korrekter Bewegung) die umliegende Muskulatur gekräftigt, was letztlich die geschädigten Gelenke entlastet.
Und was ist jetzt gute Bewegung?
Gute Bewegung bedeutet für mich Kontinuität. Wer keinen Offenstall besitzt, der sollte seinem Pferd auch in der kalten Jahreszeit ausreichend freie Bewegung ermöglichen. Und hier ist nicht das typische "15 min Freilaufen in der Halle" gemeint! Auslauf im Paddock, Winterkoppel in freiem Tempo. Eine Führanlage kann hier ebenfalls hilfreich sein.
Und im Training?
Egal ob geritten oder am Boden - unsere Pferde brauchen im Winter ggf. ein paar Minuten länger im Warm-up. Hier eignet sich die Handarbeit wunderbar als schonende Methode. Vorteil: Uns Menschen wird dabei auch etwas wärmer. Ein gutes Aufwärmen beginnt für mich mit ruhigem Führen, gerne auch mit kleinen Tempowechseln innerhalb des Schritts, und den ersten Schritten im Seitwärts.
